Fazit: Wandel und Kontinuität in 125 Jahren

In einer schnelllebigen Zeit wie unserer sind 125 Jahre eine halbe Ewigkeit. Dass es so lange her ist, dass erstmals eine Schweizer Heilsarmee-Offizierin als Missionarin ins Ausland ging, steht für eine nicht selbstverständliche Kontinuität. Zwischen damals und heute sind Parallelen und auch Unterschiede zu erkennen: Zwar stand die Mission um die Jahrhundertwende vom 19. ins 20. Jahrhundert viel stärker im Zeichen der Verbreitung des Evangeliums als heute. Doch auch Missionare des 21. Jahrhunderts, die Entwicklungshilfe im moderneren Sinn des Aufbaus und der Beratung leisten, teilen die Werte ihrer Vorgänger: Nächstenliebe und der Wille zur selbstlosen Hilfe – um nur einige zu nennen.


Nicht die nackten Zahlen – 125 Jahre, 268 Missionare und Missionarinnen – sprechen für den Auftrag der Heilsarmee, sondern die Geschichten der Menschen. Wer sich mit den Missionarinnen und Missionaren unterhält, erlebt Frauen und Männer, die alleine oder mit ihren Familien oftmals ihr ganzes Leben im Ausland für die Mission verbracht haben. Wenn beim Kramen in den Erinnerungen die Tränen zu fliessen begannen, zeigte sich das Herzblut, mit dem diese Menschen bei der Sache waren. Manchmal waren es Tränen der Rührung und Dankbarkeit über ein gerettetes Leben – sei dies nun im geistlichen oder körperlichen Sinne. Manche vergossen Tränen der Enttäuschung, weil die Erinnerung auf ein Ereignis gefallen war, bei dem etwas schief gelaufen war oder das im Nachhinein anders angegangen worden wäre. Tränen der Freude und Lachen gab es natürlich auch.


Die Umstände waren oft nicht einfach, auch wenn die tapferen Missionarinnen und Missionare beispielsweise in ihren Briefen höchstens zwischen den Zeilen Probleme durchblicken liessen. Es besteht aber kein Zweifel: Sie gerieten in die Querelen der Kolonialpolitik, waren finanziell selten auf Rosen gebettet und sahen sich mit sozialen Problemen einer fremden Gesellschaft konfrontiert. Auf der richtigen Seite zu stehen und die Arbeit zu tun, entpuppte sich als schwierige Aufgabe. Dennoch gelang es den Missionaren, ihre Berufung im Blick zu behalten: den Ärmsten zu helfen. Das zeigen eindrücklich die vielen Zeugnisse, welche die Missionare abgegeben haben.


Die Heilsarmee Schweiz und ihre Vertreter nahmen über die Jahrzehnte einige wichtige Rollen ein: In den beiden Kongos sticht die Menge der Schweizer Missionare hervor. Anzutreffen waren sie in Führungspositionen, aber auch in ganz einfachen Posten. Viele leisteten Pionierarbeit: seien es Miches in den 1920er Jahren in Brasilien oder Eggers in den 1950ern in Haiti. Sie bauten praktisch aus dem Nichts Organisationen auf, die noch heute existieren. In Haiti zeigt sich ganz praktisch die Kontinuität der Arbeit: Als Eggers Haiti verliessen, begann die Ära von Rosa-Maria Häfeli und Emma Zimmermann – zwei Frauen, die je rund 30 Jahre in Haiti verbrachten, und beide den Gründerorden erhielten. Ihnen folgten weitere Missionare bis heute.


Hinter jedem Namen eines Missionars steht nicht nur die eigene Geschichte. Die Missionare könnten von hunderten oder vielleicht tausenden Schicksalen von Menschen erzählen, die in irgendeiner Weise von der Heilsarmee berührt wurden. Viele dieser Geschichten sind positiv. Dieses Ziel verfolgt die Heilsarmee seit 125 Jahren mit der Arbeit von „Mission & Entwicklung“ – und sie wird es weiterhin tun.


Stefan Trachsel

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