Geige, Gitarre und Konzertina unter der Sonne von Afrika

Die Anfänge der Heilsarmee im Kongo sind mit einem Pionierehepaar, Henri und Paula Becquet-Hubinont (von belgischer Nationalität) verknüpft. Mit ihnen und nach ihnen haben eine beträchtliche Anzahl von Schweizer Offizieren und Freiwilligen das Werk konsolidiert und die bestehenden Aktivitäten weiterentwickelt.

Auf der ganzen Erde

1933 gibt General Higgins, der Leiter der internationalen Heilsarmee, Projekte bekannt, die Heilsarmee in verschiedenen Teilen der Welt zu eröffnen: Algerien, Französisch-Guyana, Belgisch-Kongo und Uganda stehen auf der Liste. Im August 1934 schifft sich das Ehepaar Becquet nach Léopoldville ein. Im Oktober 1934 wird die Heilsarmee im Beisein von 700 Personen offiziell anerkannt. Am gleichen Tag findet die erste Zeugnisversammlung im Freien statt „mit Geige, Konzertina und Fahne. Meine Frau sass auf einem Stuhl und mit ihrer Gitarre begann sie das erste Lied zu singen: ‚Si vous saviez quel  Sauveur je possède.‘ (deutsch LB 250: Mein ist der Heiland, ihm bring ich die Klagen …) (H. Becquet in: Lumière au cœur de l’Afrique)

Afrika und seine Menschenmengen

Beim Lesen der Berichte von Offizieren, die seit 1934 und später im Kongo gearbeitet haben, fallen diese spontane Präsenz und die grossen Menschenansammlungen auf. Die Auftritte der Heilsarmee ziehen auf Anhieb hunderte von Menschen an. Unendlich viele kommen mit ihren Nöten und ihren Bedürfnissen, viele dinf betroffen von „allen Lastern Europas wie Prostitution und Alkoholismus“ (H. Becquet).

Erster Evangelisationsfeldzug im Busch

Im April 1935 kommt Leutnant Fréderic Beney vom Korps Yverdon im Kongo an. Dieser Schweizer Pionier dient während vier Jahren mit seiner Frau, Kapitänin Aimée Lecoy, einer gebürtigen Französin. Von November bis Dezember 1936 brechen die Kapitäne Beney zu ihrer ersten Evangelisationstour in den Busch auf. Die kleine Karawane „Eseng“ (Freude) macht sich auf den Weg, um die Menschen in entlegenen Orten zu besuchen, zusammen mit Trägern, Koffern und Feldbetten. In einem Bericht des Cri de Guerre vom 6. März 1937 hält Kapitän Beney Folgendes fest: „Das Tournee ist beendet, aber überall verlangen alle nach uns. Das Bedürfnis ist gross, die Nacht ist noch sehr dunkel in diesem so wunderbaren Land Afrikas. Möge Gott den Weg bereiten und Arbeiter erwecken, deren Herzen voller Liebe für diese Schwarzen brennen, die noch in der Dunkelheit des Heidentums und des Aberglaubens versunken sind.“

Bräuche, Glaube und Gottesfurcht

Der afrikanische Kontinent enthält bestimmte Aspekte, welche alle Generationen von Missionaren zu verstehen versucht haben. Bräuche, fetischistische Praktiken, Zauberei, Aberglauben, Stammesrivalitäten, Alkoholismus, Trennungen und Scheidungen betreffen alle Schichten der Bevölkerung. Dazu kommen zahlreiche Krankheiten, welche die Anwesenheit des Todes alltäglich werden lassen. Aber in diesem Zusammenhang zieht sogar der natürliche Tod eines Menschen gezielt eine Suche nach dem Schuldigen, der durch Zauberei und Hexerei den Tod verursacht haben könnte,  nach sich.


In diesem kulturellen Umfeld ist das Christentum eine Herausforderung, es zieht grosse Massen an, die Hunger und Durst nach Gott haben. „Afrika ist auch das Land, wo man ein aussergewöhnliches Potenzial an Glauben und Gottesfurcht entdeckt. Durch die gute Nachricht des Evangeliums, die sie verkündigt, ebenso wie durch den sozialen Dienst, den sie einrichtet, ist die Heilsarmee zu einer Anziehungskraft ohne Beispiel geworden. Ihre Unterweisung, ihre Organisation, ihre Prinzipien und Methoden, all das, was sie den Afrikanern vorschlug, hat wirklichen Bedürfnissen entsprochen. Es ist gewiss nicht übertrieben zu sagen, dass die Heilsarmee seit ihrer Ankunft im Kongo eine kleine Revolution unter den Gläubigen und den Ungläubigen ausgelöst hat“, schreibt Oberst Jean-Pierre Séchaud (im Kongo mit seiner Frau von 1938 bis 1960).

Erste Schule, erste medizinische Station

Als Adjudant Becquet feststellt, dass die Kinder und Jugendlichen den Versammlungssaal nach den Gottesdiensten nicht verlassen wollen, fragt er sie, was sie erwarten. Die Antwort ist einstimmig: eine Schule! Dieser Wunsch und das Bedürfnis nach Unterricht werden eine der grossen Prioritäten des Missionswerks im Kongo. Im März 1935 wird die erste Schule eröffnet; sie ist der Beginn einer langen Geschichte. 1936 nimmt auch die medizinische Arbeit ihren Anfang in Form einer kleinen ländlichen Poliklinik: Wägen und medizinische Überwachung der Kinder der Heilsarmee-Schulen, Verbände und Wundversorgung, Vorsorgeuntersuchungen resp. Erkennung von Tuberkulose, Schlafkrankheit, Malaria und Lepra, und Weiterleitung an die Spitäler und Kliniken des Staates. Die Ankunft von verschiedenen Offizieren, darunter Kapitänin Strahm (im Kongo von 1937 bis 1970), ermöglichen es, die soziale Arbeit und die Evangelisation auszubauen.

Von einem Ufer zum andern

Die Arbeit der Heilsarmee breitet sich aus und sie erweitert ihr Angebot. Im März 1937 sind die 2500 Exemplare des ersten Liederbuches in drei Monaten aufgebraucht. Es enthält 11 Lieder auf Kikongo und Lingala, 28 auf Französisch. Die erste salutistische Zeitschrift mit dem Titel „Le Messager du Salut“ („Der Bote des Heils“) erscheint im Januar 1938.


Neue Schulen werden eröffnet und einheimisches Personal wird angestellt. Den Mädchen und Frauen werden Nähateliers (Nähen von Taschen, Kleidern sowie Strickarbeiten) ebenso wie Erwachsenenkurse (Lektüre, Schreiben und Rechnen in der einheimischen Sprache) angeboten. Der Prostitution wird der Kampf  bei jenen verlassenen Frauen angesagt, die vorher jahrelang mit einem Partner zusammengelebt hatten.


Am 7. März 1937 lassen 200 Salutisten in weissen Uniformen mit der Zustimmung der belgischen und französischen Behörden die Heilsarmee-Fahne in Brazzaville wehen, damals die Hauptstadt von Französisch-Äquatorialafrika. „Das Werk breitet sich unter der Verantwortung der Kapitäne Beney wie ein Lauffeuer aus“, schreibt Major Becquet. Die Kapitäne Beney waren also Pioniere sowohl im belgischen wie im französischen Kongo!


Das Abenteuer der Anfänge der Heilsarmee im Belgisch-Kongo zeigt die Leidenschaft auf, das Evangelium in Worten und Taten auszuleben. Vor und nach der Unabhängigkeit haben viele Schweizer Offiziere und Freiwillige ihren Beitrag geleistet, indem sie die Aktivitäten, die von ihren Vorgängern aufgebaut worden waren, festigten und weiterentwickelten.


Majorin Corinne Gossauer-Peroz
Verantwortliche für das Museum und Archiv der Heilsarmee

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